Turbolader: Entwicklung, Anpassung und Erprobung

Entwicklung

Durch die verschiedenen Anforderungen an den Turbolader bezüglich Kennfeldhöhe, Kennfeldbreite, Wirkungsgradverhalten, Trägheitsmoment des Läufers und Einsatzbedingungen entstehen für die unterschiedlichen Motoranwendungen stets neue Typen von Verdichtern und Turbinen. Auch können regional unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen, z.B. über die Schadstoffemissionen, zu unterschiedlichen technischen Lösungen führen.

Den größten Einfluss auf das Betriebsverhalten von Turboladern haben das Verdichter- und das Turbinenrad. Diese Räder werden mit Hilfe von Computerprogrammen gestaltet, die die Strömung der Luft bzw. der Abgase dreidimensional berechnen. Mit der Finite-Elemente-Methode (FEM) wird simultan die Festigkeit des Rades optimiert und die Lebensdauer anhand realistischer Fahrzyklen berechnet.

CAD-erzeugtes Modell eines Turboladers

CAD-erzeugtes Modell eines Turboladers

Trotz der heute weit entwickelten Computertechnik und der detaillierten Rechenprogramme entscheidet letztendlich der Versuch über die Güte der neuen Strömungskomponenten. Die Feinabstimmung und schließlich die Kontrolle der Ergebnisse erfolgt daher auf dem Turboladerprüfstand. Anschließend fließen die neuen Komponenten in die Turboladerbaureihen ein.

Anpassung

Die wichtigsten Elemente des Turboladers sind Turbine und Verdichter. Beides sind Strömungsmaschinen, die man mit Hilfe der Modellgesetze in unterschiedlichen Größen mit ähnlichen Eigenschaften herstellen kann. Durch Vergrößern und Verkleinern entsteht das Turboladerbauprogramm, das für unterschiedliche Motorgrößen stets die optimale Turboladergröße zur Verfügung stellen kann. Die Übertragbarkeit auf andere Baugrößen ist jedoch begrenzt, da sich nicht alle Eigenschaften modellähnlich umsetzen lassen. Auch ändern sich mit der Motorgröße die Anforderungen so stark, dass nicht mehr die gleichen Rad- und Gehäusegeometrien verwendet werden können.

Die Modellähnlichkeit und das Baukastensystem ermöglichen es aber, dass für nahezu jeden Motor ein individuell zugeschnittener Turbolader entwickelt werden kann. Dies beginnt mit der Auswahl eines geeigneten Verdichters anhand des gewünschten Ladedruckverlaufes. Dabei sollte im Idealfall die Volllastlinie so verlaufen, dass der Verdichterwirkungsgrad im Hauptfahrbereich des Motors am höchsten ist. Der Abstand zur Pumpgrenze sollte noch ausreichend groß bemessen sein.

Die thermodynamische Anpassung des Turboladers erfolgt anhand von Massen- und Energiebilanzen. Die vom Verdichter geförderte Luft und der dem Motor zugeführte Brennstoff ergeben den Turbinenmassenstrom. Die Turbinenleistung und die Verdichterleistung sind im stationären Betrieb gleich groß (Freilaufbedingung). Die Anpassungsrechnung erfolgt iterativ mit Hilfe von Verdichter- und Turbinenkennfeldern sowie den wichtigsten Motordaten.

Eine sehr genaue Anpassungsrechnung lässt sich durch die rechnerische Simulation von Motor und Turbolader durch Computerprogramme erreichen. Solche Programme enthalten Massen-, Energie- und Stoffbilanzen für alle Zylinder und die daran angeschlossenen Leitungen. Der Turbolader geht in Form von Kennfeldern in die Berechnungen ein. Darüber hinaus beinhalten solche Programme eine Reihe von empirischen Gleichungen zur Beschreibung von Zusammenhängen, die analytisch nur sehr schwierig zu erfassen sind. Besonders interessant ist die rechnerische Simulation für die Berechnung von komplexen Aufladesystemen mit mehreren Turboladern und zusätzlichen Laderkomponenten.

Erprobung

The turbocharger has to operate as reliably and for as long as the engine. Before a turbocharger is released for series production, it has to undergo a number of tests. This test programme includes tests of individual turbocharger components, tests on the turbocharger test stand and a test on the engine. Some tests from this complex testing programme are described below in detail.

Containment-Test

Im Falle eines Verdichter- bzw. Turbinenradberstens dürfen die Reste des betreffenden Rades das Verdichter- bzw. Turbinengehäuse nicht durchschlagen. Dazu wird der Läufer auf so hohe Drehzahlen beschleunigt, bis das jeweilige Rad zerbirst. Nach dem Bersten werden die Gehäuse hinsichtlich ihrer Containment-Sicherheit beurteilt. Die Berstdrehzahl liegt ca. 50 % über der maximal zulässigen Drehzahl.

Low-Cycle-Fatigue-Test (LCF-Tes)

Der LCF-Test ist eine Wechsellastprüfung des Verdichter- oder Turbinenrades, die bis zur Zerstörung des Bauteiles führt. Er dient zur Feststellung der Materialbelastungsgrenzen von Laufrädern. In einem Schleuderprüfstand eingespannt, wird das Verdichter- bzw. das Turbinenrad durch einen Elektromotor zyklisch bis zur vorgegebenen Umfangsgeschwindigkeit beschleunigt und verzögert. Aus den erzielten Ergebnissen, der Bauteil-Wöhlerkurve, lässt sich die Lebensdauererwartung für jedes beliebige Lastkollektiv berechnen.

Rotordynamikmessung

Der Läufer wird durch die pulsierende Beaufschlagung der Turbine, durch die eigene Restunwucht und durch die mechanischen Schwingungen des Motors in seiner Drehbewegung beeinflusst und selbst zu Schwingungen angeregt. Dadurch können innerhalb des Lagerspiels größere Auslenkungen auftreten, die –insbesondere wenn zu niedrige Schmieröldrücke und zu hohe Öltemperaturen hinzukommen – zu Instabilitäten führen. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Festkörperberührung und zum mechanischen Verschleiß.

Die Wellenbahn des Läufers wird durch berührungslos arbeitende Messwertaufnehmer im Saugstutzen des Verdichters nach einem Wirbelstromverfahren gemessen und aufgezeichnet. Die Auslenkung des Rotors darf unter allen Bedingungen und in allen Betriebspunkten nicht mehr als 80 % des maximal möglichen Wertes betragen. Die Wellenbahn darf keine Instabilitäten aufweisen.

Start-Stop-Test

Das Temperaturgefälle im Turbolader beträgt zwischen den Gasen der heißen Turbinenseite und dem kalten Verdichtereintritt auf einer Strecke von nur wenigen Zentimetern bis zu 1000 °C. Während des Motorbetriebes kühlt das durch das Lager fließende Schmieröl das Lagergehäuse, sodass keine kritischen Bauteiltemperaturen auftreten. Nach dem Abstellen des Motors, insbesondere aus hohen Lastpunkten, kann es im Lagergehäuse zu Hitzestaus kommen, die zu einer Verkokung des Schmieröls führen können. Daher ist es wichtig, die maximal auftretenden Bauteiltemperaturen an den kritischen Stellen festzustellen, um die Lack- und Ölkohlebildung an der turbinenseitigen Lagerstelle und am Kolbenring zu vermeiden.

Nach dem Abstellen des Motors aus einem Volllastbetriebspunkt wird das Aufheizen des Turboladers gemessen. Nach einer festgelegten Anzahl von Zyklen werden die Bauteile des Turboladers untersucht. Nur wenn die maximal zulässigen Bauteiltemperaturen nicht überschritten wurden und sich keine nennenswerten Mengen von Ölkohle im Lager befinden, gilt dieser Test als bestanden.

Dauererprobung im Zyklustest

Die Überprüfung sämtlicher Bauteile und die Ermittlung der Verschleißrate erfolgt im Zyklustest.

Die Überprüfung sämtlicher Bauteile und die Ermittlung der Verschleißrate erfolgt im Zyklustest.

Der Turbolader wird dazu am Motor über eine Laufzeit von mehreren hundert Stunden in den verschiedensten Lastpunkten betrieben. Die Verschleißraten werden durch detaillierte Vermessung der Einzelteile vor und nach dem Versuch ermittelt.